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Gebrauchtmarkt-Guide

 

Nicht jeder will oder kann sich ein neues Motorrad leisten. Durch den Wertverlust eines Motocross Motorrades, gerade im ersten Jahr, ist ein Neukauf wirtschaftlich auch nicht wirklich sinnvoll. Doch unter den gebrauchten Bikes gibt es natürlich schwarze Schafe. Wir wollen euch mit diesem Guide helfen, ein vernünftiges Motorrad zu finden.


Was bekommt man für sein Geld?


Bevor man gezielt nach einem Motorrad schaut, muss man sich erst einmal klar machen, was man für wie viel Geld überhaupt bekommt. Grundsätzlich verhält sich die Sache beim Motocross wie überall auf dem Fahrzeugmarkt. In den ersten Jahren verliert das Motorrad am meisten Wert. Da ein Crosser jedoch lange nicht so teuer ist wie ein Auto, reguliert und relativiert sich der Preisverfall recht schnell. Um die Sache zu veranschaulichen stellen wir euch eine fiktive Preisliste dar, die die Tendenzen aufzeigen soll:


(Liste geht von Neuerscheinung der 2009 Modelle aus!)


Yamaha YZ250F 2009 Neufahrzeug: 6800€

Yamaha YZ250F 2008 1 Jahr alt: 5000€

Yamaha YZ250F 2007 2 Jahre alt: 4300€

Yamaha YZ250F 2006 3 Jahre alt: 3700€

Yamaha YZ250F 2005 4 Jahre alt: 3300€

Yamaha YZ250F 2004 5 Jahre alt: 2900€

Yamaha YZ250F 2003 6 Jahre alt: 2700€


Aus der Preisliste ist klar ersichtlich, dass er Wertverlust im ersten Jahr mit 1800€ am höchsten ist. Zum zweiten Jahr hin wird er deutlich weniger, liegt aber immernoch bei etwa 700€. Mit weiteren 500€ weniger sind wir bei einem drei Jahre alten Motorrad. Von da ab werden Preisunterschiede von Modellen zum Vorjahr immer kleiner. Die älteren Motorräder sind also sehr preisstabil. Die neueren sind dafür in den meisten Fällen aber noch nicht so viel gefahren! Was lernen wir nun daraus?


Best Choice


Der vernünftigste Kauf liegt hier, sofern das Kapital keine Rolle spielt, bei einem ein bis zwei Jahre alten Motorrad. Es bietet einen guten Kompromiss zwischen Wertstabilität und Haltbarkeit. Im Klartext: Die Chance, eine zusammen gerittene Bude zu bekommen, ist gering. Und wenn man das Bike nach einem Jahr wieder verkaufen möchte, hat man dabei einen noch verschmerzbaren Verlust gemacht. Doch wie so oft spielt eben das Geld eine Rolle. Für den, der nicht mal eben fünf Mille auf der hohen Kante hat, muss vielleicht ein fünf Jahre alter Bock her. Warum auch nicht? Für einen Hobbyfahrer muss es nicht das neuste Bike sein, um schnell zu fahren. Doch hier erhöht sich natürlich die Chance, ein Motorrad zu bekommen, das seine besten Zeiten lange hinter sich hat. Wie auch immer, sobald feststeht, wie viel Geld man investieren kann und will, kann man abstecken, in welchem Rahmen man sich umschauen kann. Doch noch immer sind wir nicht konkret genug.


2-Takt oder 4-Takt?


Die Frage nach 2- oder 4-Takt steht hier eigentlich nur noch obligatorisch. Für die meisten, egal ob Anfänger oder Fortgeschrittener, erübrigt sich die Frage, weil ein 4-Takter sich einfach leichter fahren lässt, in dem Sinne, dass man einfacher schnell unterwegs sein kann. 2-Takter wollen immer im richtigen Gang bewegt werden und brauchen viel Kupplung und Drehzahl. Das überfordert viele Fahrer. Die Wartungsarbeiten sind andere, aber der Aufwand bleibt etwa gleich. Was man am 4-Takter womöglich an Zeit beim Ölwechseln benötigt, braucht man beim 2-Takter dann beim häufigeren Kolbenwechsel.


Welcher Hersteller?


Ein weiterer Punkt ist die Frage nach dem Hersteller. Welches Motorrad ist besser, welches taugt nichts? Die Fragen sind eigentlich Unsinn. Zumindest bei den Modellen des 21. Jahrhunderts gibt es so etwas wie DAS beste Bike seiner Klasse nicht. Es kursieren viele Gerüchte im Fahrerlager und jeder hat sowieso das beste Motorrad. Heutzutage kann man jedoch das Motorrad buchstäblich nach der Farbe aussuchen. Ein sehr wichtiger Kaufgrund kann die Händlernähe sein. Was bringt es mir, wenn ich eine Motorrad X fahre, aber im Umkreis von 100km keinen Händler dafür finde? Sollte das kein Problem darstellen, kann man getrost die Frage nach dem Hersteller in den Hintergrund schieben und sich somit eine größere Auswahl schaffen.


Rennen oder Hobby?


Sobald man nun konkret nach einem Motorrad sucht, das in den finanziellen Rahmen passt, wird man zahlreiche Anzeigen finden, in denen ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass mit dem Motorrad keine Rennen bestritten wurden. Was soll man davon halten? Mit „keine Rennen gelaufen“ soll vermittelt werden, dass das Motorrad nicht schon ausgenudelt ist. Aber ist es wirklich so, dass Motorräder, mit denen Rennen gefahren wurde, ausgenudelt sind? Es ist im Gegenteil eher so, dass solche Bikes in einem tadellosen Zustand sind und immer regelmäßig gewartet wurden. Rennfahrer sind darauf angewiesen - und zwar je schneller sie sind, desto mehr - dass das Material immer in einem top Zustand ist. Was spricht also dagegen, ein solches Motorrad zu kaufen, wo alle wichtigen Teile immer wie neu sind? Genau, nada! Meistens sind an solchen Motorrädern sogar hochwertige Zubehörteile wie Lenker, Gabelbrücken, Felgen, Auspuffanlagen oder getunte Fahrwerke verbaut. Umso vorsichtiger sollte man solche Motorräder betrachten, bei denen mit „keine Rennen“ geworben wurde. Oft vernachlässigen Hobbyfahrer die Wartung ihres Motorrades. Und als Käufer wird man das dann irgendwann feststellen und möglicherweise teuer bezahlen müssen.


Besichtigung


Ganz egal nun in welchem Preisrahmen man sich bewegt, welche Farbe man sich ausgesucht hat, ob man eine Kreissäge oder einen Traktor möchte und ob es von einem Hobbyfahrer mit einer Leine um die Strecke getrieben wurde oder von einem DM-Piloten in den Boden gehämmert wurde: Was gilt es zu beachten, wenn man sich das Motorrad anschaut?


Es ist schwierig eine vollständige Liste anzugeben, die zeigt, was man alles im Auge haben sollte. Im Prinzip müsste man das Motorrad komplett zerlegen um zu sehen, was man da eigentlich kauft. Und wenn man will, findet man sowieso etwas. Trotzdem halten wir es für sinnvoll, die wichtigsten Dinge hier zu erwähnen.

 

1) Allgemeinzustand


Noch bevor man sich das Motorrad überhaupt genau anschaut sollte man sich einen Eindruck vom Verkäufer verschaffen. Schau dir die Garage an, in dem das Motorrad steht. Ist es dreckig? Gibt es irgendwelche Hinweise wie das Motorrad gewartet wurde? Ohne Werkzeug lässt sich kein Motorrad instand halten.


2) Aussehen


Lass dich nicht von einem neuen Dekorsatz und glänzenden Plastikteilen täuschen. Das bedeutet keineswegs, dass das Motorrad wie neu dasteht. Es sieht nur so aus. Im schlimmsten Fall versucht der Verkäufer damit nur etwas zu vertuschen.

 

3) Sturzschäden


Kontrolliere Teile, die möglicherweise von Stürzen beschädigt sein können. Ist der Lenker krumm? Sind die Kühler eingeknickt oder undicht? Ist das Heck gerade? Solche Dinge können richtig teuer werden.

 

4) Allgemeine Kontrolle


Es gibt einige Dinge, die über die Art der Wartung des Motorrades Aufschluss geben. Kontrolliere, ob die Speichen fest angezogen sind. Schau dir die Umlenkung an und frage den Verkäufer, wie oft er sie gefettet hat. Ebenso beim Lenkkopflager. Prüfe dazu die Leichtgängigkeit.


5) Fahrwerk


Die Gabel sollte daraufhin überprüft werden, ob die Simmerringe noch dicht sind. Den Dämpfer sollte man auf Spiel hin überprüfen. Ein Fahrwerksservice kann auch deftig ins Geld gehen.

 

6) Verschleißteile


Die Verschleißteile lassen sich mit einem kurzen Blick überprüfen: Sind die Bremsbeläge noch ok? Wie schaut es mit dem Kettensatz aus? Verbrauchte Kettenräder und Ritzel erkennt man daran, dass die Zähne wie Haiflossen aussehen. Um die Kette zu prüfen kann man sie hinten am Kettenrad packen und versuchen abzuziehen. Kann man einen Zahn vom Kettenrad dann ganz erkennen, ist die Kette zu ersetzen. Ein Kettensatz kostet nicht die Welt, aber gibt auch Aufschluss über die Pflege des Motorrades!

 

7) Probefahrt


Alles Kontrollieren in der Garage hilft nichts, wenn man das Motorrad nicht mal gehört oder besser sogar gefahren ist. Das Bike sollte möglichst mit den ersten Tritten anspringen (checke vorher mit der Hand ob der Motor schon warm war) und der Motor sollte sich ruhig anhören. Beim Fahren sollten sich die Gänge problemlos schalten lassen und die Kupplung sollte richtig trennen. Auch die Bremsen können auf Funktion hin getestet werden.


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